HARTE RIFFS UND EINE KLARE LINIE
Eine Band mit einer klaren Mission: lieber rougher Live-Rock statt hochpolierter Studio-Pop. Die H-BLOCKX wissen genau was sie wollen. Sie haben sich nie verbiegen lassen und sind immer ihrem Instinkt gefolgt. Mit Talent und Rückgrat rocken sie seit Jahren in ihrem ganz eigenen Stil auch auf ihrem neuem Album.
Sie haben viel erlebt. Seit mehr als 20 Jahren rocken die H-BLOCKX deutsche und internationale Bühnen und erfinden sich dabei immer wieder neu. Dabei bleiben sie sich selbst stets treu, denn sie wissen: Mit reinem Kalkül geht's meist in die Hose. Eine Erfolgsgeschichte wie sie heute nur noch wenige Rock-Bands erzählen können.
Zu ihrem neuen Album HBLX haben wir die Jungs um Henning Wehland besucht und erfahren, wie sich die Musikindustrie verändert hat, warum nicht-perfekter Sound trotzdem besser ist und was Nachwuchsmusiker und Vollblut-Rocker wissen müssen.
Hallo Jungs, schön dass Ihr Euch Zeit für uns genommen habt!
Gerne, gerne!
Euer neues Album heißt kurz HBLX. Wie kommt man denn darauf?
Das kommt von früher. Damals in den 90er Jahren gab es ja noch diese 2-Zoll-Bänder. Die waren so schmal, dass man jedes Wort abkürzen musste. Da kam das erste Mal die Idee auf, einen Album-Titel abzukürzen. Außerdem sieht's ja auch graphisch schön aus.
Ende Mai kommt die neue Platte raus! Wie fühlt sich das an?
Sehr gut. Wir sind wirklich extrem zufrieden mit dem was wir geschaffen haben. Ich weiß, den Spruch bringt jede Band aber in meinen Augen ist das wirklich das Beste, was die Band seit langem gemacht hat. Das glaube ich wirklich und kommt auch von Herzen.
Was kommt auf die Fans zu? Ist es ein klassisches H-BLOCKX Album?
Ein klassisches Album gab es bei uns noch nie. Wir haben immer rumprobiert und versucht etwas Neues zu schaffen. Wir haben da auch nicht diese Routine, wie es bei anderen Bands manchmal der Fall ist. Die arbeiten immer im selben Studio, mit denselben Produzenten. Bei uns sind das immer neue Situationen, da kann gar kein klassisches Album entstehen.
Dafür kann es bei uns aber auch mal fünf Jahre dauern, bis wir wieder gemeinsam den Weg ins Studio finden. [lacht] Wir spielen ja auch sehr viel live und in der Zeit passiert eben im Studio nicht viel. Dann zieht sich so ein Prozess in die Länge.
Wie seid Ihr dann konkret die Aufnahmen angegangen? Habt ihr euch in einem High-Tech-Studio eingerichtet oder seid Ihr mit dem VW-Bus durch Polen gefahren?
[lacht] Nein, keins von beidem. Aber die Herangehensweise war dieses Mal wirklich etwas untypisch. Wir haben dieses Mal bewusst sehr wenig vorbereitet und sind im Juli 2011 nur mit ein paar rudimentären Riffs ins Studio gegangen ohne dass das Song-Prinzip schon klar war oder dergleichen. Das war für uns auch ein Experiment. Wir hatten keine Ahnung, ob das klappt oder nicht! Wir haben's einfach auf uns zukommen lassen. Aber das erste Ding hat schon funktioniert und dann kam so 'ne Eigendynamik auf. Wir waren Tag und Nacht da, haben Songs geschrieben, final aufgenommen, es hat einfach alles funktioniert. Irgendwie hatten wir dann am Ende 13 Tracks.
Ihr habt einige der elf neuen Songs auch unter Live-Bedingungen eingespielt: Wie lief das ab?
Wir haben eigentlich alle Songs live eingespielt. Das war uns sehr wichtig. Wir hatten schon grobe Skizzen für Songs im Kopf aber keine vorproduzierten Demos oder dergleichen. Dann sind wir gleich ins Studio und haben uns das quasi erspielt. Wir haben nichts reproduziert was schon mal aufgenommen war und haben dann radikal entschieden, ob das auf die neue Platte passt oder eben nicht.
Das war alles richtig Old School. Wir haben den Computer als Bandmaschine benutzt und dann haben wir alle gleichzeitig drauflos gespielt. Wir wollten im Studio eine Bühnenähnliche Atmosphäre schaffen. Es sollte sich echt und live anfühlen. Nicht alles fünfmal grade gerückt und rumgeschnippelt sondern einfach durch gerockt. Wir wollten keine überproduzierte Pseudo-Perfektion. Wir machen ja kein Pop. So hat das auch seine Energie und Roughness behalten und klingt richtig schön dreckig und rockig. Das war das Gefühl, dass wir auf die Platte bringen wollten.
Wer hat eigentlich den Startschuss gegeben, dass ihr euch nochmal zu einem neuen Album zusammensetzt?
Das kam eigentlich durch unsere Produzenten. Die haben uns 2010 bei Rock am Ring gesehen und waren total begeistert. Das war einfach echt 'ne heiße Show auf der der Funke so richtig übergesprungen ist. Und darauf meinten wir alle: vergessen wir mal für 'nen Moment das Business und alles andere und lasst uns einfach nochmal 'ne starke Platte machen! So kam es dann auch.
Dann mussten wir eigentlich nur noch den passenden Zeitpunkt finden, was gar nicht so einfach war. Das war auch das erste Mal, dass uns keine Plattenfirma im Nacken sitzt und Zeitpläne aufdrückt. Alles war offen. Wir machen ja alle auch nebenbei eine ganze Menge und drum waren wir heilfroh, dass wir dann einen Zeitraum finden konnten, an dem wir uns für drei Wochen in Ruhe ins Studio verziehen können.
Seit „Open Letter to a Friend" (2007) sind ja ein paar Jahre ins Land gegangen. Manche sprechen schon von einem Comeback. Was habt Ihr in der Zeit gemacht?
In der Zeit ist so viel passiert. Jeder von uns arbeitet ja an so vielen unterschiedlichen Fronten. Außerdem haben wir jedes Jahr auf allen erdenklichen Festivals gespielt – deswegen sträuben wir uns auch dagegen zu sagen, das ist ein Comeback. Schließlich haben wir uns nie aufgelöst und haben es auch nicht vor. Nur nimmt einfach die Aufmerksamkeit der Presse irgendwann ab, wenn man nicht jedes Jahr ein neues Album bringt. Und wenn man dann sich dann fünf Jahre Zeit nimmt um eine geile Platte zu machen, reden auf einmal alle von Comeback. Das fühlt sich vielleicht für manche so an, aber wir waren immer am Start!
Ihr seid mittlerweile seit den 90er Jahren dabei. Wie hat sich die Musikindustrie in Euren Augen verändert?
Die Kommunikation mit den Fans ist viel schneller und persönlicher als früher. Das ist ein riesen Vorteil. Gerade für kleinere Bands, die ihre Musik vertreiben wollen und Auftritte promoten, hat das Web viele neue Möglichkeiten gebracht. Aber speziell was das gesamte finanzielle Gefüge angeht, hat sich die Industrie ziemlich massiv gewandelt. Wenn eine Band zum Beispiel nur wenig tourt und hauptsächlich Songs und Alben releast, steckt da heute viel weniger Umsatz drin, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war, in denen das große Geld noch in CD-Verkaufen war.
Welche Tipps könnte Ihr jungen Nachwuchsbands geben?
Es ist wichtig sich selbst treu zu bleiben, wissen was man kann und will aber auch keinen Ratschlag in den Wind zu schlagen. Man muss die Balance finden, zwischen Selbstbewusstsein und Diplomatie. Das ist nicht immer einfach. Man muss offen sein für gutgemeinte Tipps aber sich auch nicht in seinem Kern verbiegen lassen. Wenn man zu Mainstream und butterweich wird, sticht auch nichts mehr heraus. Man muss eine Vision haben und immer in den Spiegel blicken können.
Es muss natürlich auch in der Band und dem Umfeld stimmen. Alle müssen im besten Fall am selben Strang ziehen. Man muss sich ein gutes Team aufbauen, dem man vertraut und von dem man profitiert, weil man kann nicht alles alleine machen. Du brauchst Leute, mit denen du auf einer Wellenlänge liegst und die Erfahrung haben, von der Du profitieren kannst.
Das Web hat die Musikindustrie umgekrempelt: Wie vermarktet man heute erfolgreich Musik in der digitalen Welt? Welche Tipps könnt Ihr geben?
Also kurz um: Die Zauberformel gibt es nicht. Im Endeffekt muss einfach alles stimmen. Wenn wir 'ne erfolgreiche Platte ein paar Jahre früher oder später gebracht hätten, wäre sie vielleicht auch nicht so gut angekommen. Man muss den Zeitgeist treffen. Nur wenn Musiker etwas kreieren, das vielen Menschen aus der Seele spricht und berührt, wird es auch kommerziell erfolgreich. Wie man das schafft ist aber manchmal auch mehr Glück als Talent.
Es gibt hunderte, tausende Bands, die eigentlich nichts falsch machen aber trotzdem nie wirklich durchstarten. Die sind begabt, sehen gut aus, auch die Platte ist gut aber sie sind fünf Jahre zu früh oder zu spät. Dann gibt es manchmal Bands, die nur eine durchschnittliche Platte im petto haben aber strahlen das gewisse Etwas aus. Sie transportieren ein Gefühl, mit dem sich junge Menschen identifizieren können. Man nicht alles über einen Kamm scheren, aber Glück und Talent hängen stärker zusammen, als man es sich eingestehen will. Mit reinem Kalkül geht's meist in die Hose. Man muss machen, was man meint, dass man machen muss. [lacht]. Wir haben es vor 20 Jahren auch nicht anders gemacht. Wir haben einfach gemacht, was wir wollten und konnten.
Inwiefern versuchen Manager und Labels denn den Erfolg zu beeinflussen?
Naja, ab und zu kommen da schon so Tipps wie „zieh doch mal die lustige Hose an" oder „macht so nen Song, weil das zieht grade in den Charts". [lacht] Nein, so krass ist es nicht aber es geht in die Richtung. Wenn man einen gewissen Erfolg und auch finanziellen Druck hat, gibt es immer wieder jemanden der glaubt ein Konzept zu haben, mit dem man auf diesem Erfolg verharren könnte. Aber daran glauben wir nicht. Es gibt immer eine Wellenbewegung.
Ganz selten ist es so wie bei Madonna, die seit Jahrzehnten mehr oder weniger präsent und erfolgreich ist. Selbst sie schafft das auch nur weil sie keine Angst hat Regeln zu brechen. Sie erfindet sich kontinuierlich und mit jedem Album neu und schockiert Fans, Presse und andere Musiker. Erfolgreich wird das, was es gerade nicht gibt. Ich muss etwas machen, das die Leute nicht von mir erwarten. Es braucht dann immer jemanden, der dann wieder 'nen Twist reinbringt. Das ist dann auch der, der wirklich erfolgreich ist.
Wenn man die aktuelle Musikszene betrachtet, dominiert heute Elektro sehr die deutschen Charts und Festivals: Wie steht es um die Entwicklung des Crossover?
Crossover im ursprünglichen Sinne findet mittlerweile genreübergreifend statt. Für mich ist der Begriff aber seit mehr als 10 Jahren tot. Crossover hat damals ein Lebensgefühl beschrieben. Heute ist das anders. Das was früher als Crossover beschrieben wurde, ist heute einfach Rockmusik. Deswegen sträube ich mich mittlerweile auch den Begriff zu verwenden – das klingt so nach1995. Und wir haben uns in der Zeit ja auch als Band weiterentwickelt und sind nicht mehr auf demselben Stand wie damals.
Ihr wart früher auch häufig in den USA aktiv: Was gefällt Euch persönlich lieber?
Anfang Mai startet Eure Tour in Polen und kommt dann am 11. Mai nach Deutschland. Was dürfen wir auf Eurer Tour erwarten?
Danke Euch für das Interview!
Klar, jeder Zeit wieder.
H-BLOCKX
Die 1990 gegründete Band hat in ihrer Geschichte viel erlebt: nach acht Alben, unzähligen Singles, Konzerten und Live-Tours erscheint am 25. Mai 2012 ihr neues Album HBLX.
Mehr Infos zur Band gibt es auf Myspace:
Kontakt: myspace.de/hblockx





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