Es rockt nicht so richtig in Karlstadt. Die Livemusik-Szene hier ist
nicht das, was sie sein könnte. Zwar gibt es „Karscht live“ und das
„Umsonst & Draußen“, aber ansonsten sieht es doch eher mau aus mit
Konzerten. Besonders Karlstadter Nachwuchsbands sind dieser Tage dünn
gesät. Stadtjugendpflegerin Sandra Oppelt sieht die Schuld auch bei der
fehlenden Infrastruktur, soll heißen nicht vorhandenen Proberäumen und
Auftrittsmöglichkeiten.
„Es gibt genug Leute, die ein Instrument spielen“, sagt der
22-jährige Benedikt, der gerne eine Band gründen würde. Die Musikschule
bilde ja genügend Kinder und Jugendliche aus. „Aber die Musikschule
allein bringt nichts, wenn das Instrument dann nur daheim herumsteht.“
Ihm ist es genau so gegangen, unter anderem wegen eines fehlenden
Proberaums, weshalb er seinerzeit mit dem Gitarrenunterricht aufhörte.
Keine Notlösungen
Damian (21) und Nils (18) aus Arnstein verzweifeln schon länger an
der Suche nach einem Proberaum. Die beiden wollen zusammen mit einem
Bassisten aus Marktheidenfeld eine Band gründen und dann gerne in
Karlstadt proben, nur finden sie dafür einfach keine Räumlichkeiten. Wie
Benedikt, Damian und Nils geht es einigen Jugendlichen in Karlstadt,
klagt Oppelt.
Benötigt wird, da sind sich die jungen Musiker einig, ein fester
Proberaum, keine Notlösung. Davon habe es schon genug gegeben. Damian
und Nils erzählen, dass sie mit einer vorherigen Band „das Schlagzeug
jedes Mal rein- und wieder rausräumen“ mussten. „In Karlstadt hat es
schon immer Probleme mit Proberäumen gegeben“, bestätigt
Kreisjugendpfleger Bernhard Metz. Auf dem Dorf, etwa in Stetten oder
Zellingen, sei es oft einfacher. „Da hat halt dann doch irgendjemand
einen Keller.“ Und in Lohr gebe es einen richtigen Proberaum im
Jugendzentrum, der immer ausgelastet ist.
Bei Karlstadter Schulen, der Volkshochschule und der Musikschule
haben sich Oppelt und Jugendliche schon um Räumlichkeiten bemüht, aber
bislang vergebens. Eine Karlstadter Kneipe hat inzwischen immerhin
zugesagt, Bands bei sich proben zu lassen, allerdings nur, wenn ihr die
Mitglieder bekannt sind und nur während der Öffnungszeiten.
Von einem festen Proberaum für mehrere Bands erwartet sich Oppelt
auch eine Atmosphäre, die befruchtend auf die einzelnen Bands wirkt.
Außerdem hätte ein gemeinsam genutzter Raum den Vorteil, dass man sich
die Ausrüstung teilen könnte. Oppelt nennt ihre Heimatstadt Hammelburg
als Beispiel. Dort gibt es dank einer Musikinitiative Probe- und
Auftrittsräumlichkeiten und dadurch eine lebhafte Musikszene.
Die Stadtjugendpflegerin bittet Privatleute, Unternehmen und Vereine
um Unterstützung bei der Suche nach einem Proberaum. Dieser darf wegen
der zu erwartenden Lautstärke gerne etwas außerhalb liegen, auch in
Karlburg oder Mühlbach zum Beispiel. „Vielleicht hat ja irgendjemand
einen alten Gewölbekeller oder einen Luftschutzbunker oder so was“,
meint Oppelt.
Fehlende Auftrittsmöglichkeiten in und um Karlstadt sind allerdings
das nächste Problem. Die Stadtjugendpflegerin ist unter anderem wegen
fehlender Livemusik-Erfahrungen bei Karlstadter Jugendlichen zum Teil
sogar auf „Skepsis gegenüber Livemusik“ gestoßen. Im Jugendzentrum sind
aufgrund von Vorschriften nur zehn Konzerte im Jahr möglich, sagt
Oppelt. Dabei seien Livemusik und Bands doch „ein Stück Jugendkultur“.
Viktor Reimer aus Stetten, Bassist der Band „Injured“, die im
November das Nachwuchsbandfestival „Rockin' MSP“ gewann, klagt
ebenfalls, dass es relativ schlecht aussieht mit Auftrittsmöglichkeiten
in Karlstadt. „Es ist mehr Zufall“, wenn sich für die Band mit
Mitgliedern aus Stetten, Bühler und Retzstadt ein Konzert ergibt.
In Lohr richtige Szene
In Lohr findet man im Gegensatz zu Karlstadt eine richtige Szene,
sagt Kreisjugendpfleger Metz. Er hat in den letzten zwei, drei Jahren
ein Wiederaufblühen der Livemusik im Landkreis beobachtet. „Die Bands
spielen wieder länger zusammen“, sagt er. Er fügt hinzu, dass sich Bands
gerne an ihn wenden können, wenn sie nach Auftrittsmöglichkeiten
suchen. Er könne Auftritte in anderen Jugendzentren vermitteln.
Wer eine Möglichkeit zum Proben anbieten kann, wendet sich an Sandra
Oppelt: Tel. 0 93 53 98 20 28.